Die Darstellung unserer Region ist nicht immer konfliktfrei

Die Darstellung und Präsentation unserer Region ist nicht immer konfliktfrei, wird dadurch aber auch interessanter und lebendiger. Natürlich ist es für die Erarbeiter von Informationen nicht immer einfach, wenn zusätzliche Informationen, bzw. auch Kritik zu den zur Verfügung gestellten Informationen auf einem zukommen. Grundsätzlich müssen wir Macher uns doch aber freuen, wenn sich Personen mit unseren Informationen zur Region auseinander setzen. Dieses Auseinandersetzen von anderen Personen mit unseren Infos, fordert uns meist noch mal komplett über die Inhalte nachzudenken, was die Informationen lebendig und aktuell hält.

Gerade haben wir einen Fall, da geht es um Fakten zum Schloss Gleina. Da zeigt es sich deutlich, dass Fakten nicht gleich Fakten sind. Das Fakten auch verschiedene Sichtweisen aufweisen können.

 

Es geht im Folgenden konkret um einen Aushang zur Geschichte des Gleinaer Schlosses in einem Schaukasten. Im Aushang ist folgendes zu lesen:

… 1830 kaufte Kammerherr Bernhard Heinrich v. Helldorf das Rittergut in Gleina. Das Schloss wurde baulich nicht verändert. Die Familie Helldorf war bis 1945 Besitzer des Schlosses

Am 1. Juli 1945 wurde die Familie enteignet von dem Russen. Das schloss wurde eine Nebenkommandatur der SMAD. Zwei russische Offiziere und 12 Soldaten bewirtschaften da Gut, bis 1947 waren die Russen im Schloss.

Am 14.04.1948 kam das Altersheim rein, wie die Landambulanz und Kinderkrippe. Das Gebäude wurde bis 30.11.1996 genutzt.

Nun zu dem Schreiben in dem der Aushang kritisiert wird. Dort ist als Auszug zu lesen:  Abgesehen von den zahlreichen orthographischen Fehlern bietet der Text nicht nur Informationen zur Rittergutgeschichte, sondern er spiegelt auch eine Geisteshaltung wider, die als unterschwellig-nazistisch identifiziert werden darf und daher gewiss kein Aushängeschild für die Gemeinde ist, ja eigentlich ist es unerhört, was man da liest.

Als besonders ungezogen/unanständig empfand ich (der Schreiber) folgende Passagen: „Am 1. Juli 1945 wurde die Familie enteignet von dem Russen. (…) bis 1945 waren die Russen in Schloss.“

Da schimmert doch deutlich die nazistische Ideologie vom „asiatischen Untermenschen“ durch, die mit den Leidenstropfen der Spätwirkung der „Wende“ auf dem Land wieder bewässert wurde …

Wenn man diese Zeilen betrachtet muss unumwunden zugeben, der Schreiber hat vollkommen Recht!

So stellen "Russen" nur EINE Volksgruppe von vielen, die in der damaligen Sowjetunion lebten und als Soldaten in der Roten Armee kämpften dar. Die Nazis sprachen immer nur von "dem Russen" und meinten es abwertend, quasi als Synonym für "Untermensch". Richtiger, weil sachlicher, wäre es z.B. von "Soldaten der Roten Armee" oder "Sowjettruppen" zu sprechen.

Es wäre auch gut gewesen, wenn man die Abkürzung SMAD entsprechend erklärt hätte: SMAD = Sowjetische Militäradministration in Deutschland

Der Schreiber verweist auch auf die gesellschaftlichen Hintergründe der Familie v. Helldorf, die nationalkonservativ und nationalsozialistisch geprägt waren, aber auch die Problematik des Ausschlusses aus der Adelsgenossenschaft beinhaltete, die durch die Rassengesetze beding zutage trat, da eine Vierteljude Status festgelegt wurde. Mit dem Satus „Vierteljude“ konnte man jedoch im Dritten Reich weiter Rittergutsbesitzer bleiben. Kein Wort davon auf der Schaukasten-Info.

Eine Information unserer Redaktion dazu: Auf der Familiengrabstelle der Familie v. Helldorf in Mücheln unweit des Schlosses, findet man ein jüdisches Grab, auf dessen Grabplatte auch heute noch immer wieder frisch aufgelegte kleine Steine zu finden sind.

Auch keine ausreichende Info zur Enteignung, die wohl zuerst von der Amerikanischen Militärverwaltung durchgeführt wurde und dann nochmals scheinbar am 1. Juli 1945 durch die SMAD.

Hierbei wurden Eigentümer über 100 Hektar enteignet, diese verloren nicht nur ihr Land, sondern auch sämtliches sonstiges Eigentum. Von Wohnhäusern und Geldvermögen bis hin zu Mobiliar und Kleidung wurde ihnen alles entzogen, vielfach kam es zu Plünderungen. Wie dies in Gleina verlief findet man im Aushang auch keine Info.

Die Enteignung war für die Rittergutsbesitzer und deren Verwalter meist auch mit einer Einweisung ins Lager verbunden. Ob das enteignete Land sogenannten „Neubauern“ im Rahmen der ersten Landreform „Junkerland zu Bauernland“ übergeben wurde bzw. wie weit das Rittergut von den stationierten Soldaten der Sowjetarmee bewirtschaftet wurde, bleibt im Aushang leider auch offen.

Das Schreiben des Herrn zu dem Schaukastenaushang zeigt deutlich auf, das zu diesem Thema noch ordentlich nach zu recherchieren ist. Es ist doch aber auch etwas Tolles wenn durch solche Schreiben noch einmal frischer Wind in die Informationserarbeitung kommt. Die Redaktion von geiseltalinfo.de greift solche Informationen gerne auf. Auch in diesem Fall, natürlich getrennt vom Erarbeiter des Schaukastens, stellen gerne aber unsere Ergebnisse zur Verfügung.

Unsere Redaktion empfiehlt dem Chronisten von Gleina, sich mit dem Schreiber in Verbindung zu setzen und sich entsprechend auszutauschen. Nur ein aufeinander Zugehen und Austauschen wird zu einem befriedigenden Ergebnis führen.