Kommentar zum „Neunen Masterplan“ für den Geiseltalsee

Am letzten Freitag wurde der vom Landkreis in Auftrag gegebene „neue Masterplan“ der Dresdner Beratungsfirma KEM (Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH) im Wünscher Strohballenhaus vorgestellt und diskutiert. Die Redaktion hat gestern die Mitschrift eines eingeladenen Teilnehmers veröffentlicht, die ein riesengroßes Interesse bei der Bevölkerung geweckt hat.

Bei dieser Veranstaltung wurde "ausschließlich" der neue aktualisierte Dresdner Masterplan vorgestellt und darüber diskutiert. Wobei die Definition fehlt, um was für einen Masterplan es sich denn nun tatsächlich handelt. Über die zu erarbeitende Dachmarke (für eine Dachmarke benötig man aber erst mal mehrere Marken, die es auch nicht gibt) und die zukünftige Organisation von Marketing wie überhaupt über eine touristische Ausrichtung der Tourismusumsetzung wurde nicht gesprochen.

Heute folgt nun der versprochene Kommentar zum „Neuen Masterplan“:

Wenn man sich betrachtet, was bisher zu diesem „Neuen Masterplan“ vorliegt, dann vermittelt er schon auf den ersten Blick wieder „deutliche Schritte zurück“ – nicht nach vorne, wie eigentlich erwartet! Da war einmal die Idee von einem Geiseltaler Seengebiet, nun dreht sich alles ausschließlich nur noch um den Geiseltalsee. Da ist es doch dann kein Wunder wenn die Dresdner davon ausgehen, dass der Geiseltalsee der Hauptanziehungspunkt werde und die anderen Seen einfach dadurch zurückfallen und am besten verlanden. Das man dies erfolgreich um zum Wohl der Region steuern könnte, darauf kommt man in Dresden nicht, oder ist dies vom Landkreis genauso erwünscht?

Gemeinsame Projekte der Anrainer finden sich im Masterplan gar nicht mehr wider. Wo ist der gemeinsame Ausbau der Rad- und Wanderwege am und um den See verblieben? Der nun für 2 Jahre wegen Baumaßnahmen am Braunsbedraer Hafen gesperrte Geiseltalseerundweg, ist jetzt schon oft an bzw. über den Grenzen seiner Belastbarkeit. Die Umsetzung der vorgesehenen Ausweichwege ist vollkommen verschwunden. Dafür will man einen Rundweg auf der Pfännerhall- Halde anlegen. Was für eine Alternative! Die Region bzw. der See benötigt auch nicht zwei Flächen für größere Veranstaltungen (in Mücheln und Braunsbedra je eine) es würde eine und die verkehrs- und lärmgünstig gelegen, würde reichen.

Zwar werden im „Neuen Masterplan“ teurere Strassenbaumaßnahmen präsentiert die irgendwann, wenn der Besucherstrom angewachsen ist, evtl. benötigt werden. Nach einfachen, schnell umsetzbaren und kostengünstigen Varianten, hat man das Gefühl, wurde erst gar nicht gesucht.

Da werden größere Strassenbaumaßnahmen mit Kreisverkehren empfohlen, ohne dass überhaupt darüber nachgedacht wird, ob man denn ein solcher anwachsender Autoverkehr überhaupt nötig und erwünscht ist? Es nicht besser wäre, wenn erst gar nicht so viele PKWs an den See fahren, sondern öffentliche Verkehrsmittel dazu genutzt werden, die im Masterplan überhaupt keine Rolle spielen. Bzw. Autos schon am Anfang des Geiseltalsees auf Parkplätze geleitet werden, von denen man dann evtl. auch erlebnisreich, zu den Sehenswürdigkeiten des Sees gelangt.

Man hat zudem das Gefühl, dass durch die angestrebte Konzentrierung auf wenige Tourismuspunkte, wie zum Beispiel den Hafen Braunsbedra in Neumark, die teuren Baumaßnahmen erst notwendig werden. Warum verteilt man nicht die Besucherströme wie einmal geplant rund um den See? Vieles davon wurde schon teilweise umgesetzt, die letzten notwendigen Schritte sind nicht erfolgt und werden auch nicht im „Neuen Masterplan“ erwähnt.

So könnte man schon an der Pfännerhall mit einem interessanten Museums- und Informationskonzept, einen Teil der Besucher abfangen. Von einem dortigen Großparkplatz kämen unsere Gäste auch schnell zum See. Dieser Großparkplatz könnte dann, für den am See liegenden Großveranstaltungsbereich gleich mitgenutzt werden.

Der See verfügt über einige ideal gelegene Parkplätze, die bis heute nicht ausgeschildert sind und daher kaum angefahren und genutzt werden. Da bekommt man sofort das Gefühl, dies ist zum Beispiel im Bereich Mücheln erwünscht, denn Gäste scheinen dort nur an der Marina und dem Geiseltalsee-Camp erwünscht, natürlich als zahlende Gäste. Folgerichtig staut sich dort alles, die Parkplätze reichen nicht, an der Kreuzung zur Kreisstrasse staut es sich usw.. Was aber nicht sein müsste, wenn man die Besucherströme gezielt um den See führen und verteilen würde.

Der „Neue Masterplan“ schafft keine Anreize und Sympathien für Kleininvestoren aus der Region. Nein es geht nur um große Projekte, die zudem noch Jahre, Jahrzehnte dauern werden. Der Größenwahnsinn dominiert! Im Gegensatz dazu lassen sich kleine regionale Geschäftsideen meist schon nach einem Jahr erfolgreich umsetzen. Mit diesen kann dann auch gezielt Marketing betrieben werden, da diese touristischen Geschäftsideen oft sehr Ideenreich und medienwirksam sind.

Vereine haben im „Neuen Masterplan“ ihre Schuldigkeit getan, jetzt soll es ans Geldverdienen gehen, da stören die Vereine, die Jahre lang mit allen Widrigkeiten gekämpft und die kleine Tourismusflamme am Leben gehalten haben, nur! Klar, die Vereine haben auch Fehler gemacht, sie haben sich von ihren Kernkompetenzen teilweise zu weit entfernt, jeder wollte mehr und hat sich dabei verstrickt. Eine positive Darstellung seiner Leistungen ist zudem meist versäumt worden, so erkennt man kaum ihre Leistungen.

Vom so gelobten Fossilienpark, unter Federführung der Pfännerhall, ist gar nichts mehr im „Neuen Masterplan“ zu finden. Begründet wird dies von den Dresdnern damit, dass die abseitige Lage der Pfännerhall die Hafentouristik stören würde, da man dieser Publikum entziehen könnte. Die Pfännerhall könne aber als Kulturzentrum erhalten bleiben – wie gnädig!

Den Bemühungen des IFV auf der Halbinsel mit der Wetterschutzhütte, soll auch ein Ende gesetzt werden. Mit dem Argument, dass Arrangement des IFV dort vertrage sich nicht mit dem Naturschutz. Dabei waren es doch gerade die Aktivitäten der Vereine die, die Flamme des Tourismus hochgehalten haben, jetzt stören sie!

Was für Personen, die sich intensiv mit der Umsetzung des Tourismus in der Region beschäftigen, zu einem Unverständnis und eigentlich auch wiederum nicht führt, liegt darin, dass die Anrainer Städte nach Aussage der Dresdner, mit diesem Masterplan einverstanden sind. Was wiederum einmal mehr als deutlich aufzeigt, dass die Bürgermeister mit ihren Stadträten im Hintergrund nun wirklich keine Tourismusfachleute sind und der Landkreis wieder einmal vollkommen versagt. Scheinbar geht es nun nur noch um ein allgemeines Abnicken und fertig! Dies wird aber einer erfolgreichen Tourismusumsetzung bei weitem nicht gerecht!