Umsetzbare Tourismus-Konzepte fehlen - zu viele Akteure verderben den Brei

Immer offensichtlicher wird es, dass ein Gesamtkonzept zur Entwicklung und Vermarktung des Tourismus in unserer Region fehlt. 10 Jahre nach Start der Flutung gibt es noch immer kein Gesamtkonzept für die touristische Entwicklung der Seen, womit auch keine gezielte Kontrolle des jeweils erreichten, bzw. nicht erreichten möglich ist. Von einer Gesamtvermarktung kann schon gar nicht die Rede sein, denn es steht noch nicht mal fest wie diese aussehen soll.

 

Momentan gib es mehrere nebeneinander her laufende Projekte und Aktionen zur Entwicklung des Tourismus in der Region. Diese arbeiten zumeist nicht miteinander sondern gegeneinander, ein Gesamtkonzept würde dies verhindern, eine gezieltere und schnellere Umsetzungen ermöglichen und Ressourcen besser nutzen.

So gibt es bisher ein Förderprojekt zur Planung der touristischen Beschilderung, die Stadt Mücheln steht in Gesprächen zur Förderung und Umsetzung eines Stadtmarketingkonzeptes, das auf den Tourismus ausgerichtet sein soll. Der Bürgermeister von Braunsbedra versucht die Gemeinden des Geiseltals endlich für die Zusammenarbeit zu einem Gesamtkonzept zu bewegen. Der Landkreis hat über Förderung die Findung einer touristischen (Dach)Marke in Auftrag gegeben und säumt damit das Pferd von hinten auf.

Die privaten Akteure des Geiseltals probieren sich unter dem Dach der IFA zu formieren. Die Stadt Mücheln und die finanziell verbundene Marina Mücheln GmbH verfolgen wiederum ihre eigenen Interessen und sehen sich als alleiniges Sprachrohr des Geiseltals. Dazu gehören auch die Marketing Initiative und die Onlinepage geiseltal.de, die sich schon als Dachmarke sieht/bezeichnet. Wobei die Frage im Raum steht, ob eine Onlinepage überhaupt eine Dachmarke darstellen kann! Dann gibt es noch den Saale-Unstrut-Tourismus mit eigenen Vermarktungsvorstellungen. Dabei sollte auch nicht vergessen werden, dass die allermeisten der aufgezählten Organisationen für ihre Arbeit Fördermittel nutzen – Steuergelder die hier leider nicht effektiv eingesetzt werden!

Was die Region benötigt und zwar schon gestern, ist ein touristisches Gesamtkonzept als Entwicklungskonzept in das sich dann „jeder“ oder „jede Organisation“ mit ihrer Kernkompetenz einbringen kann. Darüber sollte ein Leitungsteam aus Fachkräften platziert werden, das mit Weisungsvollmacht ausgestattet ist! Der Braunsbedraer Bürgermeister hat dies schon richtig erkannt, ob er es aber schaffen wird die verschiedenen Akteure an einen Tisch und dann unter einen Hut zu bekommen ist zwar äußert wünschenswert, aber wer die Szene hier kennt hegt daran große Zweifel.

Auch der Gedankengang der BTI, die den Auftrag zur Findung einer Dachmarke vom Landkreis erhalten hat, dass eine Dachmarke der Zündfunken für ein gemeinsames Anpacken und Zusammengehen der Akteure sein könnte, verspricht wenig Erfolg. Denn mit einer (Dach)Markten vor einem Gesamtkonzept beschreitet man den eigentlich letzten Schritt als ersten.. Einen ausführlichen Bericht dazu finden Sie hier.

Bei der Touristischen Vermarktung sollte zuallererst geklärt werden wie groß flächenmäßig und touristisch angebotsmäßig überhaupt eine Region sein muss, um als Tourismusregion wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Die direkte Fragestellung dazu: Ist der Geiseltalsee, bzw. die Geiseltalseen überhaupt in der Lage eine entsprechende Tourismusregion dazustellen? Muss nicht eher das ländliche Umfeld mit seinen vielen touristischen Angeboten, die jetzt schon vorhanden sind, bzw. mit geringem Finanzbedarf aktiviert werden können, gedanklich erweitert werden? Laut Auskunft von Sachsen-Anhalt Tourismus beschäftigt sich Sachsen Tourismus im Auftrag der Mitteldeutschen Tourismus Verbände momentan mit einer Studie zum Thema „Flächengröße einer Tourismusregion“. Die Redaktion hat mit Sachsen Tourismus diesbezüglich Kontakt aufgenommen und hofft dazu nächste Woche genaueres berichten zu können.