Veranstalter, Publikum und Musikerumfeld haben eine Verantwortung gegenüber jungen Musikern!

Mich lässt das Befassen mit dem Thema Verantwortung gegenüber jungen Musikern nach dem Erlebten mit der Band Inutero in der Musikfabrik einfach nicht los. Bei der Band handelt es sich um einen 17 jährigen Ausnahme Gitarristen, seinem Vater am Bass und deinem Drummer. Die Problematik die mich über das Thema Verantwortung nachdenken lässt, war die gesundheitsschädliche Lautstärke die von diesem Jungster ausging, die weit über die Grenzen des erträglichen ging.

In jungen Jahren saß ich selbst hinter der Schießbude, dem Schlagzeug, nachher drehte ich mehr an den Knöpfen und kümmerte mich um Nachwuchsmusiker. Nach meiner Krebserkrankung ging ich noch ein letztes Mal auf Tour, eine nette feine Clubtour, danach war damit Schluss. Im Osten rutschte ich dann in die PA-Verleihtätigkeit, führte ein Jahr ein Kulturhaus und ab dem neuen Jahrhundert war ich dann als Kulturredakteur unterwegs. Dies um deutlich zu machen, dass ich schon weiß von was ich hier schreibe.

Mit viel Vorfreude hatten wir uns auf einen tollen musikalischen Abend in der Braunsdorfer Musik-Fabrik, mit dem so gelobten Nachwuchsgitarristen Flo Zimmermann gefreut. Leider wurde dieser uns so nicht gegönnt. Dies hatte mit der unerträglichen Lautstärke zu tun, auf die die Band bestand. Schon beim Blick auf die Bühne und dem Erkennen eines Roten Marshall Gitarren Amps meldete sich mein Bauchgefühl. Aber es hing ja ein Mikro davor, da wird es schon nicht zu laut werden. Zur Erklärung: Diese Amps stammen aus einer Zeit, als man in Bezug auf sehr unzureichende PA von der Bühne her die Power brachte bzw. für große Bühnen. Dann kam noch eine Box dazu, man spricht dann von einem Boxenturm.

Beim Soundcheck kristallisierte sich sehr schnell heraus, dass die Gitarre um ein Vielfaches zu laut war und dies, ohne dass sie überhaupt über die PA lief und damit verstärkt wurde. Der Fabrik Chef Schöppi und hinter dem Mischpult tätig, machte auf diesen Zustand mehrfach aufmerksam, was aber vom Gitarristen mit einem vollständigen Unverständnis aufgenommen wurde.

Schöppi kam nach dem Soundcheck bei uns vorbei und im Gespräch äußerte er sich ebenfalls über die enorme Lautstärke und hoffte, dass sich genügend Gäste dagegen verwehrten. Als man dann um 22 Uhr den Gig startete, schlug uns Gästen eine Schallwand entgegen, die unmittelbar in den Ohren wehtat. Einige griffen sofort zu ihren Ohropax, andere zu ihren Ohren um diese zu schützen. Trotz Unmutsäußerungen und körperlicher Artikulation meinerseits, die bei der Band mit völlig unverständlichen Blicken aufgenommen wurden, machte man einfach weiter und erhöhte sogar noch während des Konzerts die Lautstärke.

Ich zog die Konsequenz, ging raus und platzierte mich vor dem Club auf der Terrasse.

Ich finde es unverantwortlich, wie so ein junger Gitarrist verheizt wird, denn alles ginge mit der halben Lautstärke genauso, ich behaupte, sogar wesentlich besser! Wenn er so weiter spielt, ist sein Gehör bald dauerhaft geschädigt, falls dies nicht schon eingetroffen ist, wenn er diese vollkommen überzogene Lautstärke benötigt, um spielen zu können. Man hat gegenüber solchen jungen Musikern eine Verantwortung. Dieser kommt aber schon sein Vater, der mit dem Bass mit ihm auf der Bühne steht, nicht nach!

Sein Gesang war oft nur noch ein Kräksen und Überschlagen der Stimme, die der Lautstärke der Amps trotz PA-Verstärkung nichts entgegensetzen konnte. Da machen die in der Pause vom Publikum so gelobten schnellen Finger, auf die die Augen gerichtet waren, auch nichts gut. Ein positives musikalisches Gesamtbild fehlte. Auch der Bass kam schon mit einem Schalldruck rüber, der immer wieder schon ins Schmerzhafte ging. So ein Abend ist kein Aushängeschild für die von mir sonst so geliebte und gelobte handgemachte Musik!

Umso größer der Abstand zu dem Erlebten beim Auftritt von Inutero wird, umso mehr schüttle ich den Kopf, wenn ich an die Verantwortungslosigkeit der Personen um diesen jungen Gitarristen denke. Zu meiner aktiven Zeit hat man sich um die Jüngeren gekümmert! Man hat ihnen wenn es sein musste auch mal ordentlich den Kopf gewaschen. So etwas hätte man nicht zugelassen, zudem in Bezug auf die Lautstärke dies sicher nicht als Einzelfall zu bewerten ist. Da tragen Musikerkollegen, Veranstalter und Publikum eine gemeinsame Verantwortung! Nicht zu vergessen, dass es in diesem Musikbereich nun wirklich nicht viel Nachwuchs gibt, da muss man auf diesen ein besonders fürsorgliches Auge werfen!

Nun hoffe ich eine Diskussion loszutreten die Musiker, Veranstalter und Publikum gleich betrifft, aus der sich eigentlich keine Gruppe ausschließen kann.