Antworten der Bündnisgrünen zu den Tourismusfragen in Bezug auf die Kommunalwahl 2014

Eigentlich hatte die Redaktion mehr Antworten des Landratskandidaten der Bündnisgrünen erwartet. Daher wollen wir Ihn wenigstens kurz vorstellen. Dr. Mario Lochmann aus Teutschenthal wurde vom Kreisverband einstimmig zum bündnisgrünen Kandidaten für die Landratswahl am 25. Mai 2014 gewählt.

Als bündnisgrüner Landrats-kandidat möchte er sichtbar machen, dass nachhaltige und umweltfreundliche Maßnahmen auf kommunaler Ebene nicht nur einer abstrakten Umwelt und “dem” Klima nutzen, sondern jeder und jedem Einzelnen. Aussagen zur Entwicklung und des Stellenwertes des Tourismus für unsere Region sind der Redaktion nicht bekannt.

Die Antworten der Bündnisgrünen zu den Tourismusfragen der Redaktion finden Sie nachfolgend:

 

Die Redaktion: Was hält ihre Partei von der Festlegung einer wirtschaftlich tragbaren Tourismusregion gegenüber einer touristischen Ausrichtung allein auf den Geiseltalsee wie bisher?

 

Bündnisgrüne:Die alleinige Ausrichtung eines Tourismuskonzepts auf den Geiseltalsee halten wir von Bündnis 90/Die Grünen im Saalekreis für unzureichend. Wünschenswert ist ein Tourismuskonzept, das in größeren Regionen denkt, z.B. den gesamten südlichen Saalekreis, die Kulturstadt Halle und den angrenzenden  geschichtsträchtigen Burgenlandkreis  einbezieht. Unbedingt anzustreben ist dabei auch eine Professionalisierung der Vermarktungsbemühungen der einzelnen Tourismusregionen unter einem gemeinsamen Dachverband.    

 

Die Redaktion: Ist ein umfassendes touristisches Gesamtkonzept nicht von größter Wichtigkeit und warum gibt es dieses noch nicht?

 

Bündnisgrüne:Wir sehen umfassenden Handlungs- und Reformbedarf. Die bisherigen Bemühungen des Landkreises sind zu gering, die Aktivitäten von Landrat Frank Bannert in der Vergangenheit reichen nicht aus.

 

Die Redaktion: Wie sehen die Konzepte ihrer Partei gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Tourismus aus?

 

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind gesamtgesellschaftliche Probleme. Neonazis sind eine Bedrohung für unsere Demokratie und gefährden mit ihrer demokratie- und menschenfeindlichen Ideologie, mit brutalen Übergriffen auf andere Menschen unsere Gesellschaft. Sachsen-Anhalt hat ein Problem mit Rassismus, der sich, beginnend mit Alltagsrassismus und Sätzen wie „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber...“, leider immer wieder  in brutalen Übergriffen auch im Saalekreis offenbart.

 

Bündnis 90/Die Grünen im Saalekreis setzen sich dafür ein, dass lokale Projekte und Initiativen wie der Runde Tisch für Demokratie und Friedfertigkeit oder das Merseburger Bündnis gegen Rechts in Ihrem Engagement gegen Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gestärkt werden. Über die Förderung dieser Initiativen und ihrer öffentlichen Wahrnehmung – u.a. durch die lokalen Verwaltungen - wird auch der Tourismus gestärkt, weil  Toleranz und Weltoffenheit eine Voraussetzung dafür sind, dass Menschen uns gern im Saalekreis besuchen.

 

Die Redaktion: Wie steht die Partei zu einer Klärung der Verantwortlichkeiten im Tourismus und Einsetzung eines weisungsberechtigten Umsetzungsteams aus Fachkräften?

 

Bündnisgrüne:Der Landrat, seine Verwaltung und die demokratisch gewählten Kommunalvertretungen sind in der Pflicht, sich für ein übergreifendes Tourismuskonzept für die Region einzusetzen und dieses mit Leben zu füllen. Expertinnen und Experten, besonders auch die Touristiker aus der Region, sind hierbei umfassend einzubeziehen.

 

Die Redaktion: Wie sehen ihre Konzepte gegen den Touristischen Fachkräftemangel aus?

 

Bündnisgrüne:Die Ursache für den Fachkräftemangel in Branchen wie der Gastronomie und Hotellerie ist nicht zuletzt die vergleichsweise geringe Bezahlung der Fachkräfte. Von der Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns versprechen wir uns, dass Stellen im Gastronomie- und Hotelgewerbe attraktiver für potentielle BewerberInnen werden. Dieser Mindestlohn muss jetzt kommen und darf nicht auf das Jahr 2017 verschoben werden.

 

Darüber hinaus müssen Unternehmen in der Region auch verstärkt Fachkräfte ausbilden und sich dem demografischen Wandel stellen. Eine Umfrage der IHK kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass  sich ein Großteil der gastronomischen Betriebe in Sachsen-Anhalt personalpolitisch noch nicht mit dem demografischen Wandel auseinandergesetzt hat. Hier ist wünschenswert, dass die Gaststätten und Hotels Unterstützung durch die entsprechenden Kammern erfahren.

 

Wie steht man zur Schaffung eines Beratungsbüros für gewerblichen Tourismus?

 

Bündnisgrüne:Wir denken, dass eine Professionalisierung der Vermarktungsbemühungen der Tourismusregion die Rahmenbedingungen für den gewerblichen Tourismus entscheidend verbessern wird. Ob dafür ein Beratungsbüro notwendig ist, bleibt abzuwarten, denn natürlich müssen – bei aller Euphorie und Aufbruchsgeist, die die in der Entstehung begriffene Tourismusregion mit sich bringt– die Kosten im Blick behalten werden.

 

Die Bündnisgrünen: Welchen Stellenwert hat der Tourismus als Wirtschaftsfaktor für die Region in ihrer Partei?

 

Bündnisgrüne:Bündnis 90/Die Grünen sehen im Tourismus einen wichtigen Wirtschaftsfaktor. Hierbei steht nimmt der sanfte Tourismus den zentralen Stellenwert ein. Besonders im Wassertourismus sehen wir eine große Chance. Angefangen von Kanutourismus bis hin zu Kulturtourismus am Wasser oder barrierefreiem Reisen, sehen wir im Tourismus das Potenzial für mindestens 30.000 Arbeitsplätze in Sachsen-Anhalt.

 

Allerdings sehen wir für die Verwirklichung dieser Vision noch erheblichen Arbeitsbedarf: Infrastrukturlücken wie etwa im Radwegenetz oder müssen geschlossen werden und die Vermarktung der touristischen Regionen muss zielgruppengenauer und differenziert nach Regionen angegangen werden. Dass sich Sachsen-Anhalt als touristische Region unter seinem Landesnamen vermarktet, ist eine Verschwendung von Ressourcen. Erfolgversprechender ist hier die Vermarktung von Zielen unter bestimmten thematischen Schwerpunktsetzungen.

 

Die Redaktion: Gehören der Öffentliche Nahverkehr & der Tourismus als Planungseinheit nicht zusammen?

 

Bündnisgrüne:Öffentlicher Nahverkehr und Tourismus gehören als Planungseinheit zusammen. Touristen muss es ermöglicht werden, Sehenswürdigkeiten und touristische Ziele mittels des öffentlichen Nahverkehrs zu erreichen. Das schont die Umwelt und den Geldbeutel. Wichtig finden wir hierbei, dass die einzelnen Angebote gut aufeinander abgestimmt sind. So sollte besonderes Augenmerk auf die Verzahnung verschiedener Mobilitätsformen gelegt werden, etwa durch Fahrradverleihsysteme an Bahnhöfen, Car Sharing Angebote und durch Mitnahmemöglichkeiten von Fahrrädern im ÖPNV. 

 

Die Redaktion: Wie steht ihre Partei zu einem Schwenk von kostenintensiven Großprojekten zu vielen Kleinprojekten?

 

Bündnisgrüne:Wir favorisieren kleinteilige Strukturen, die aus sich heraus wachsen, denn sie sind ökonomisch regelmäßig nachhaltiger als unkalkulierbare Großprojekte, die oftmals an der Realität vorbeiplanen und zudem Steuergelder verschwenden. Kleine Projekte können erfolgreich durchstarten, wenn sie in eine übergeordnete Strategie eingebunden sind. Diese fehlt im Saalekreis. Das wollen wir ändern!

 

Die Redaktion bedankt sich für die Beantwortung der Tourismus-Fragen und hofft, dass nun der Tourismus zu einem lebendigen Zukunftsthema während des Wahlkamps zur Kommunalwahl heran erwächst und als solcher stärker bewusst wird.