Die Landratskandidatin Kerstin Eisenreich für Die LINKE

Zur Landratskandidatin der Linken wurde Kerstin Eisenreich aus Großkugel mit 97,7 Prozent der abgegebenen Stimmen Anfang März 2014 gewählt. Kerstin Eisenreich stammt ursprünglich aus Sachsen, lebt aber seit vielen Jahren in Großkugel, einem Ortsteil der Gemeinde Kabelsketal. Sie ist Vertretungsprofessorin an der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH). Von Ihr sind bisher keine Stellungnahmen zum Tourismus und dessen Umsetzung bekannt.

Fragen an die Parteien und Landräte zu Touristischen -Themen der Kommunalwahl 2014, dazu Antworten der Landratskandidatin der Partei DIE LINKE, Kerstin Eisenreich.

 

Die Redaktion: Was hält ihre Partei von der Festlegung einer wirtschaftlich tragbaren Tourismusregion gegenüber einer touristischen Ausrichtung allein auf den Geiseltalsee wie bisher?

 

Frau Kerstin Eisenreich: Wir als DIE LINKE sagen, dass wirtschaftlich tragbare Gesamtkonzepte für die touristische Gesamtentwicklung der Region unverzichtbar sind. Wir haben seit Beginn der Umwandlung des Geiseltalsees auf eine Ausrichtung gedrängt, die nicht nur die Nutzung der Wasserfläche, den Strand und die engste Umgebung im Blick hat. Die Zukunftswerkstatt in der Pfännerhall, an der immer Vertreter von uns teilgenommen haben, hat dazu gute Anregungen gegeben und der Gedanke an eine Entwicklungsgesellschaft wurde mehrfach geäußert. Neben Angeboten am See müssen näher und ferner liegende Ziele einbezogen werden. Hier sehen wir in der Verbindung mit Merseburg, Querfurt, Bad Lauchstädt und Freyburg und darüber hinaus mit Halle und der Leipziger Region ein wichtiges Potenzial.

 

Die Redaktion: Ist ein umfassendes Touristisches-Gesamtkonzept nicht von größter Wichtigkeit und warum gibt es dieses noch nicht?

 

Frau Kerstin Eisenreich: DIE LINKE sieht ein solches Konzept aus den o.g. Gründen als dringend erforderlich an. Hier hätte die Wirtschaftsförderung des Landkreises mehr anregen, vorbereiten und moderieren müssen. Auch über die Kreisgrenze hinweg ist der Tourismus zu sehen und dafür müssen Angebote, z. B. Rundreiseangebote, Thementouren entwickelt werden.

 

Die Redaktion: Wie sehen die Konzepte ihrer Partei gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Tourismus aus?

 

Frau Kerstin Eisenreich: Da wir uns als DIE LINKE stets aktiv für Toleranz und Weltoffenheit sowie gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit einsetzen, gehört unserer Auffassung nach der Bereich des Tourismus auch in dieses Gesamtkonzept. Wenn in der Region Tourismus als echte Perspektive angenommen wird, ist dies ein wesentlicher Schritt für mehr Weltoffenheit. Ausgrenzung äußert sich aber auch in Nutzungsbarrieren. Da ist noch vieles zu tun. Wir arbeiten mit allen Kräften, Vereinen, Initiativen und Einrichtungen, zusammen, die sich dem gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit engagieren. Übrigens ist ein besseres Selbstwertgefühl der Bevölkerung ist ein guter Nährboden für Toleranz und Weltoffenheit. Wir möchten in diesem Zusammenhang betonen, dass der See mit seinen Erholungsmöglichkeiten nicht nur „Betuchten“ offenstehen sollte. Wenn er von breiten Schichten genutzt werden kann, steigt damit auch die Akzeptanz in der Bevölkerung.

 

Die Redaktion: Wie steht die Partei zu einer Klärung der Verantwortlichkeiten im Tourismus und Einsetzung eines weisungsberechtigten Umsetzungsteams aus Fachkräften?

 

Frau Kerstin Eisenreich: Verantwortlichkeiten im Bereich des Tourismus sind sehr unterschiedlich und reichen vom Land, das einen Masterplan Tourismus erarbeitet hat, bis zum einzelnen Akteur. Eine Entwicklungsgesellschaft für den Geiseltalsee, in der sich möglichst viele Akteure wiederfinden, ist durchaus zu diskutieren. Das hätte sicher ebenfalls positive Auswirkungen auf die Zusammenarbeit der Geiseltalgemeinden. Die Leipziger Seen haben dies vorgemacht. Auch Sachverstand und frische Ideen von außen z.B. von der Hochschule Harz in Wernigerode mit dem Studiengang Tourismusmanagement sind da sicher nützlich.

 

Die Redaktion: Wie sehen ihre Konzepte gegen den Touristischen Fachkräftemangel aus?

 

Frau Kerstin Eisenreich: Touristischer Fachkräftemangel als Schlagwort ist differenziert zu sehen. Wichtig ist vor allem, vorhandene Fachkräfte, vor allem auch junge Fachkräfte, durch gute Arbeits- und Lebensbedingungen und ein ansprechendes Lohnniveau in der Region zu halten. Die vorhandenen Ausbildungsmöglichkeiten sollten vom Eigenbetrieb für Arbeit und der Arbeitsagentur stärker unterstützt werden. Außerdem ermöglicht auch die Hochschule Harz berufsbegleitende Ausbildung. Wichtig wären zudem neue Ideen zur Finanzierung und Kooperation.

 

Die Redaktion: Wie steht man zur Schaffung eines Beratungsbüros für gewerblichen Tourismus?

 

Frau Kerstin Eisenreich: Beratungsleistungen werden z.B. von der IHK angeboten und die Wirtschaftsförderung des Landkreises leistet dies zu spezifischen Fragen.

 

Die Redaktion: Welchen Stellenwert hat der Tourismus als Wirtschaftsfaktor für die Region in ihrer Partei?

 

Frau Kerstin Eisenreich: Für DIE LINKE ist der Tourismus schon immer ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Saalekreis und wird dies auch künftig weiter sein. Das Potenzial an Kultur und historischen Bauten für den Tourismus ist immens und oft schon genutzt. Anders sieht es beim Naturpotenzial aus. Hier brauchen die 2 Naturparks im Landkreis noch mehr Aufmerksamkeit.

 

Die Redaktion: Gehören der Öffentliche Nahverkehr & der Tourismus als Planungseinheit nicht zusammen?

 

Frau Kerstin Eisenreich: Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen ÖPNV und Tourismus wird von uns unbedingt bejaht. Touristisches Potenzial kann doch nur erschlossen werden, wenn wir den Touristen auch die Möglichkeiten geben, die Angebote mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zugleich barrierefrei zu erreichen sind. Die Verkehrserschließung darf sich nicht in der Anlage von Parkplätzen und neuen Straßen bzw. Fahrspuren erschöpfen. Der Tourismus muss bei der nächsten Überarbeitung des Nahverkehrsplanes des Landkreises stärker berücksichtigt werden. Die in der Anfangsphase angedachte Verlängerung der Bahnlinie von Schafstädt bis Mücheln als Ring um den Geiseltalsee und Anbindung von Bad Lauchstädt war ein gute Idee.

 

Leider steht inzwischen die Strecke nach Schafstädt insgesamt zur Disposition. Alternativ dazu könnte z.B. ein Shuttle-Service vom Bahnhof zum Hafen eingerichtet werden.

 

Die Redaktion: Wie steht ihre Partei zu einem Schwenk von kostenintensiven Großprojekten zu vielen Kleinprojekten?

 

Frau Kerstin Eisenreich: DIE LINKE befürwortet die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes für den Tourismus. Eine gesunde Mischung aus Groß- und Kleinprojekten sollte immer im Auge behalten werden. Großprojekten kommt häufig eine „Initialzündung“ zu. Sie werden jedoch häufig kleinen begleitet oder aus ihnen entwickeln sich kleinere. Hier ist eine ausgewogene Balance auch hinsichtlich der Förderpolitik erforderlich. Wenn allerdings Grundstücksflächen über Jahre von einzelnen Kommunen „blockiert“ werden, weil man auf den großen Investor wartet, ist dies natürlich auch nicht förderlich.

 

Die Redaktion bedankt sich für die Beantwortung der touristischen Fragen in Bezug auf den Kommunalwahlkampf 2014 bei Frau Kerstin Eisenreich von der Linken herzlich.