Die Landratskandidatin Verena Späthe für die SPD

Verena Späthe, ist die Landratskandidatin der SPD und sitzt seit 2006 im Landtag. Tourismus als Thema für den Wahlkampf wurde in ihrer Antrittsrede nur in einem Nebensatz angesprochen: …Wir müssen gemeinsam dem Saalekreis ein Leitbild geben und da ist die gleichrangige touristische Vermarktung des Kreises nur ein Beispiel... Nun nimmt Sie ausführlich Stellung zu den touristischen Fragen der Redaktion in Bezug auf den Kommunalwahlkampf im Mai 2014.

 

Die Redaktion: Was hält Ihre Partei und Sie von der Festlegung einer wirtschaftlich tragbaren Tourismusregion gegenüber einer touristischen Ausrichtung allein auf den Geiseltalsee wie bisher?

 

Frau Dr. Verena Späthe: Die Erarbeitung eines Leitbildes für den Saalekreis insgesamt, das auch die Erarbeitung eines saalekreisweiten Tourismuskonzepts umfasst, ist eine vordringliche Aufgabe. Da Sie sehr richtig bemerkten, dass das Geiseltalseegebiet allein für eine Tourismusregion zu klein ist, ist eine sinnvolle Ausweitung nötig. Der Geiseltalsee muss eingebettet werden in die Beziehungen zu seinem Umland, damit Gäste länger in der Region verbleiben. Dazu sind zahlreiche und vielfältige Angebote, die nur durch überregionale Konzepte und Zusammenarbeit der Akteure erreichbar sind, nötig. Der See bleibt in dieser Region ein Schwerpunkt.

 

 

Die Redaktion: Ist ein umfassendes Touristisches Gesamtkonzept nicht von größter Wichtigkeit und warum gibt es dieses noch nicht?

 

Frau Dr. Verena Späthe: Ich habe auf die Notwendigkeit eines Gesamtkonzepts (siehe Frage 1: Leitbild) nachdrücklich hingewiesen.

 

Die SPD Saalekreis plant die Entwicklung eines gemeinsamen Tourismuskonzepts für den Saalekreis unter Einbeziehung der Kommunen und im Tourismus Tätigen. Grundlage ist die Analyse der touristischen Stärken und Schwächen der Kommunen.

 

Es gibt bereits eine Reihe guter Ansätze, vor allem im Bereich des Geiseltals, unter anderem mit dem Zukunftsforum Geiseltal in der Pfännerhall oder der Expertenrunde Geiseltalsee unter Beteiligung des Wirtschaftsministeriums Sachsen-Anhalt, an denen ich mitwirke.

 

Wichtig aus unserer Sicht ist die Einigkeit und Zusammenarbeit der Anrainerkommunen des Geiseltalsees und die Einbeziehung der Umlandgemeinden; hier ist eine moderierende Unterstützung durch den Landkreis notwendig.

 

 

 

Die Redaktion: Wie sehen die Konzepte ihrer Partei gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Tourismus aus?

 

Frau Dr. Verena Späthe: Probleme mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Tourismus, speziell in unserer Region oder dem Geiseltal, sind uns nicht bekannt.

 

Aus unserer Sicht muss bei der Entwicklung aller Konzepte für den Tourismus im Saalekreis insgesamt viel weiter gedacht werden. Wir brauchen diskriminierungsfreie Angebote für Menschen jeden Alters, Herkunft, Behinderung o.ä., um einer Ausgrenzung bestimmter Personengruppen vorzubeugen und damit auch erst einmal Möglichkeiten zum Kontakt und Kennenlernen zu schaffen. Die Entwicklung einer Bergbauregion zu einem Erholungsgebiet erfordert nicht nur von der Natur Veränderungen, sondern auch die entsprechende Akzeptanz bei der Bevölkerung.

 

Auch der Masterplan Sachsen-Anhalt Tourismus 2020 verweist auf die Entwicklung einer Willkommenskultur, die von allen Touristikern gelebt werden muss. Erklärtes Ziel ist es landesweit die Zahl ausländischer Touristen zu erhöhen.

 

Leider müssen wir feststellen, dass schon barrierefreie Angebote, und das meint nicht nur Rollstuhlfahrer, bisher kaum berücksichtigt wurden. Dies ist in einem touristischen Gesamtkonzept und bei allen Eigeninitiativen auf jeden Fall zu beachten und von politischer Seite entsprechend zu unterstützen.

 

 

 

Die Redaktion: Wie steht die Partei zu einer Klärung der Verantwortlichkeiten im Tourismus und Einsetzung eines weisungsberechtigten Umsetzungsteams aus Fachkräften?

 

Frau Dr. Verena Späthe: Tourismusförderung gehört zur Wirtschaftsförderung und ist eine Aufgabe der Kommunen. Die Umsetzung obliegt nicht den Verwaltungen, sondern Privatpersonen, Vereinigungen, Verbänden.

 

Handelnde Akteure im Tourismus sind überwiegend Privatpersonen und/oder private Unternehmen. Seitens der Landkreisverwaltung kann es daher diesen gegenüber keine Weisungsbefugnis in irgendeiner Art geben. Das  zu entwickelnde Tourismuskonzept für den Saalekreis dient als Grundlage für alle Aktivitäten im Tourismusbereich und ist im Konsens mit allen Engagierten zu erarbeiten und nicht durch die Verwaltung des Saalekreises vorzugeben.

 

Zu unterstützen sind durch die Verwaltung darüber hinaus Initiativen, die sich eine verbindliche Satzung geben und gemeinsam an der Umsetzung des regionalen Tourismuskonzepts arbeiten.

 

 

 

Die Redaktion: Wie sehen Ihre Konzepte gegen den Touristischen Fachkräftemangel aus?

 

Frau Dr. Verena Späthe Fachkräftemangel ist nicht nur ein Problem des Tourismus, sondern bedarf einer gesamtgesellschaftlichen Lösung, neuer Ideen und Anreize vor allem durch die Unternehmen selbst. Die Kreisverwaltung kann hier nur unterstützend tätig sein. Die Kreisverwaltung kann eine konzentrierte Zusammenarbeit der IHK, des Arbeitsamtes und des Jobcenters mit der DEHOGA anregen. In Rheinland-Pfalz findet im April mit diesen Partnern eine Konferenz „Fachkräftesicherung“ statt. Anregungen aus anderen Bundesländern sind an die regionale Tourismuswirtschaft zu vermitteln.

 

Firmenphilosophie, Atmosphäre in den Teams und die entsprechende Vergütung sind in dem überall herrschenden Wettbewerb um Fachkräfte nicht zu unterschätzende Faktoren.

 

 

 

Die Redaktion: Wie steht man zur Schaffung eines Beratungsbüros für gewerblichen Tourismus?

 

Frau Dr. Verena Späthe: Der Bereich Wirtschaftsförderung des Landkreises muss auch kompetenter Ansprechpartner für den gewerblichen Tourismus sein. Dies ist eine wichtige Aufgabe in der weiteren Entwicklung der Kreisverwaltung und Teil des geplanten Ausbaus der Verwaltung als Dienstleister mit Beratungsauftrag für Bevölkerung und Kommunen.

 

 

 

Die Redaktion: Welchen Stellenwert hat der Tourismus als Wirtschaftsfaktor für die Region in Ihrer Partei?

 

Frau Dr. Verena Späthe: Tourismus ist für uns auch ein wichtiges wirtschaftliches Standbein, gerade auch für unseren Saalekreis mit seinen vielen ausländischen Firmen. Hier müssen wir alle noch mehr dafür tun, dass unsere zahlreichen Angebote und Möglichkeiten viel besser bekannt sind und für Erholung und Wissensvermittlung genutzt werden. All dies soll das zu entwickelnde Tourismuskonzept für den Saalekreis ebenfalls enthalten.

 

Tourismus schafft Arbeitsplätze, die nicht „ins Ausland abwandern“ können.

 

Der Saalekreis bleibt ein wirtschaftlich gut aufgestellter Landkreis mit Industrie, Landwirtschaft und Tourismus.

 

 

 

Die Redaktion: Gehören der Öffentliche Nahverkehr & der Tourismus als Planungseinheit nicht zusammen?

 

Frau Dr. Verena Späthe: Wir stimmen Ihnen zu, dass der öffentliche Nahverkehr und der Tourismus viele Schnittmengen haben. Allerdings ist es bei einer sich noch entwickelnden Tourismusregion sehr schwierig, bereits von Anfang an öffentlichen Nahverkehr in Größenordnungen vorzuhalten, wo der Bedarf bisher nicht abgeschätzt werden kann und erst längerfristig entsteht. Hier ist über alternative Konzepte nachzudenken, wie z.B. Rufbusse/Taxen oder völlig andere Modelle, die auch für den dünner besiedelten ländlichen Raum überlegenswert sind.

 

Aus unserer Sicht ist der öffentliche Nahverkehr nur eine bedenkenswerte Seite der notwendigen Mobilität im Tourismusgebiet Geiseltal und darüber hinaus. Auszugehen ist davon, dass ein großer Teil der Gäste selbst mobil ist/sein wird und hier dringend die notwendigen Straßensanierungsmaßnahmen (z.B. Straße zwischen Braunsbedra und Mücheln) angestoßen werden müssen.

 

 

Die Redaktion: Wie steht Ihre Partei zu einem Schwenk von kostenintensiven Großprojekten zu vielen Kleinprojekten?

 

Frau Dr. Verena Späthe: Beide Projektarten haben ihre Daseinsberechtigungen und führen zu gegenseitigen Synergieeffekten. Wir gehen davon aus, dass das schon länger in der Diskussion befindliche und inzwischen weit vorangeschrittene große Projekt der Geiseltalelefantenausstellung in der Pfännerhall ein großer, überregionaler Besuchermagnet werden wird, den wir gern unterstützen. Gleiches gilt beispielsweise auch für das geplante Filmmuseum auf der Burg Querfurt. Daneben muss es viele kleine Ideen und Projekte geben, die die Gäste im Saalekreis halten und für spannende, interessante, erholsame und erlebnisreiche Tage sorgen. Hierfür sind vor allem eine Vernetzung der Angebote und das Miteinander der Anbieter unerlässlich.

 

Grundsätzlich haben beide Projektarten ihre Daseinsberechtigung, die eine Abwägung im Einzelfall erforderlich macht. Kriterien sollten z. B regionale Wahrnehmbarkeit, Arbeitsplatzschaffung, Kosten und auch Nachhaltigkeit sein.

 

 

 

Frau Dr. Verena Späthe:Gestatten Sie mir zum Abschluss noch eine grundsätzliche Bemerkung:

 

Als seniorenpolitische und behindertenpolitische Sprecherin beschäftigt mich seit langem das Thema Barrierefreiheit. In letzter Zeit kann ich feststellen, dass sich das Thema immer mehr zu einem gesamtgesellschaftlichen entwickelt und das ist gut.

 

Barrierefreier Tourismus ist ein Markenzeichen! Ein Projekt des Geiseltalgymnasiums hat sich mit dem Geiseltalsee als einem See für alle beschäftigt. Die Ergebnisse des Schülerprojektes sind zum Teil ernüchternd.

 

Barrierefreiheit ist nicht nur ein Thema für Rollstuhlfahrer, sondern für alle in einer Gesellschaft im demografischen Wandel. Eine interessante Debatte hatten wir kürzlich dazu im Landtag. Ich bitte Sie, schreiben Sie sich einen barrierefreien Tourismus auf die Fahnen und geben Sie diesem Thema auch auf Ihrer Plattform entsprechenden Raum. Barrierefreiheit, von Beginn an mitgedacht, und kreative Ideen schützen auch hier vor hohen Kosten. - Ihre Dr. Verena Späthe

 

Die Redaktion bedankt sich für die Beantwortung der touristischen Fragen in Bezug auf den Kommunalwahlkampf 2014 bei Frau Dr. Verena Späthe herzlich.

 

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