Auszüge aus dem Masterplan für Tourismus Sachsen-Anhalt, die unsere Region betreffen

Sachsen-Anhalt soll künftig noch klarer als führendes Kulturreiseland in Deutschland profiliert werden. Das ist das wichtigste Ergebnis des neuen "Masterplans Tourismus Sachsen-Anhalt 2020", den das Kabinett am 17.12.2013 beschlossen hat. Dieser Masterplan wirkt auch auf unsere Region, dem Wasserturmland. Daher hat die Redaktion aus dem Masterplan die Teile herauszuholen und abzudrucken die für unsere Region zutreffen, wichtig sind. In kursiv finden Sie Anmerkungen der Redaktion.


In Sachsen-Anhalt dominiert auch nach 20 Jahren der Inlandstourismus die touristische Nachfrage. Rund 93% der Gäste kommen aus Deutschland, nur 7% aus dem Ausland. Im Vergleich zu den westdeutschen Flächenländern ist dieser Anteil eher gering, bietet aber Chancen für Wachstum. Die Gäste aus dem Inland kommen zum einen aus dem eigenen Land, zum anderen vorwiegend aus den Ländern Niedersachsen, Sachsen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen. Die wichtigsten ausländischen Quellmärkte sind die Niederlande, Polen, Dänemark, Österreich, Schweiz und die Vereinigten Staaten.

 

Der Tourismus ist auch in Sachsen-Anhalt ein relevanter Wirtschaftsfaktor. Zusammenfassend kann für das Land Sachsen-Anhalt ein touristischer Bruttoumsatz von 3,45 Mrd. EUR und eine Nettowertschöpfung von 1,77 Mrd. EUR angenommen werden. Ferner stehen etwa 65.000 Beschäftigungsverhältnisse in direkter oder indirekter Abhängigkeit zur Tourismusbranche.

Die Kommunen im Land können etwa 2,5% bis 3% des touristischen Nettoprimärumsatzes als Steuereinnahmen verzeichnen. Auffallend ist der relativ hohe Anteil an Tagesgästen sowie deren Umsatz, der innerhalb der Wertschöpfung mehr als die Hälfte des Gesamtertrages generiert. Dies zeigt die hohe Bedeutung der Tagesgäste für den Tourismus im Land Sachsen-Anhalt.

Die Vielzahl der Themen und ihre tourismusfachliche Bewertung erschweren es, knappe (finanzielle) Ressourcen effizient einzusetzen. Im Tourismusmarketing wurde daher bereits auf zwei profilgebende Claims gesetzt: „Rendezvous mit Kultur“ sowie „Naturfreude – Durchatmen in Sachsen-Anhalt“. Eine erste Konzentration ist damit bereits erkennbar und sollte weiter fortgesetzt werden.

Kommunikationstechnologie und soziale Medien - Im Hinblick auf die technologischen Rahmenbedingungen wird die weitere Entwicklung der Kommunikationstechnologie und der sozialen Medien eine weiter steigende Bedeutung für die individuelle Reisentscheidung haben. Die Technik fördert die Vernetzung und hat damit einen großen Einfluss auf die Produktgestaltung, die Kundenkommunikation und die Kundenpflege.

 

Die heutige Technik bietet die Möglichkeit, die Kundeninformation zu verbessern oder das Produkt neu zu inszenieren, um damit den Erlebniswert zu steigern. Aber auch der Vertrieb wird massiv beeinflusst. Die individuelle Zusammenstellung von Reisebausteinen, die Multioptionalität des Gastes, sein Reiseverhalten, die kurzfristigere Buchung der Reise sind Entwicklungen, denen im Vertrieb Rechnung getragen werden muss.

 

Leider hat unsere Region hier seit vielen Jahren ein sehr hohes Defizit, das bisher weitestgehend zerredet wurde, als es konkret anzugehen. Einzelinteresse stehen immer noch vor einer touristischen Online-Gesamtvermarktung. Die Redaktion zeigt daher mit www.geiseltalinfo.de auf, das eine touristische Online-Gesamtvermarktung effektiv und kostengünstig umzusetzen ist. Diese sogar sich positiv von bisherigen schon seit Jahren bestehenden Tourismusinformationenanderer Regionen abheben kann.

 

Sachsen-Anhalt zeichnet sich durch eine reiche Kulturlandschaft, eingebettet in eine reizvolle Naturlandschaft und sehr unterschiedliche Naturräume in den einzelnen Regionen aus. Einzelne Themen, Segmente und Märkte sind für sich genommen aber nicht ausreichend stark (bezogen auf Markt und Geschäftsfeld), um so hervorgehoben beworben zu werden. Die gegenseitige Kombination, Verzahnung, Ergänzung und Aufladung der Themen machen das Land und seine Regionen jedoch zu einem attraktiven Reiseziel. Dies muss viel stärker als bisher in den Vordergrund rücken und mit geeigneten Produkten beworben werden.

Barrierefreier Tourismus: Vor der Hintergrund des demografischen Wandels und der überwiegend älteren Gästestruktur in Sachsen-Anhalt ist der Ausbau der Barrierefreiheit in der touristischen Infrastruktur zwingend. Gleichzeitig müssen mehr Angebote im Sinne des Tourismus für Alle entwickelt werden. Daher muss durch die öffentlichen und die privaten Anbieter touristischer Leistungen in den Ausbau des Angebotes und deren Bewerbung investiert werden.

 

Als Basisthemen aller Tourismusaktivitäten werden zukünftig die Qualität und der barrierefreie Tourismus als „Tourismus für Alle“ eine wichtige Rolle spielen und dauerhaft weiterentwickelt werden müssen. In allen Themen, Städten und Reiseregionen muss „Qualität für Alle“ zum Standardangebot gehören.

 

Mit Tourismus für Alle sieht es bei uns, besonders am Geiseltalsee äusserst schlecht aus. Da ein Gesamtkonzept fehlt, in dem auch die Barrierefreiheit seinen Platz gefunden hätte, tut sich hier nichts, beziehungsweise Neuprojekte verschlechtern noch die Situation durch unbedachte Planung. Beispiel Geiseltalsee Camp Badestrand. Ohne Hilfe schafft ein Rollstuhlfahrer, den steilen Hang zum Parkplatz nicht.

 

Barrierefreiheit durchgängig gewährleisten: Weiterentwicklung eines „Tourismus für Alle“ als wichtiges Querschnittsthema - Ob eingeschränkte Mobilität durch fortgeschrittenes Alter, eine körperliche Einschränkung oder bewegungseingeschränkt durch einen Kinderwagen: Das Thema Barrierefreiheit kann durch verschiedene Auslöser wichtig werden und muss mehr und mehr als Basisqualität verstanden werden. Der barrierefreie Zugang zu touristischen Zielen muss daher als ein wichtiges und dringendes Thema für zukünftige Tourismusstrategien angenommen werden. Dies sollte unter Berücksichtigung der DIN-Normen, bestehender/weiterer Initiativen sowie Gesetzesinitiativen zur Schaffung von Standards im Gastgewerbe erfolgen.

 

Da der Begriff „Barrierefreiheit“ mittlerweile geradezu inflationär gebraucht aber teilweise eingeschränkt verstanden wird, sollte in der Außenkommunikation besser von einem „Tourismus für Alle“ gesprochen werden. Für das Land Sachsen-Anhalt ist es dabei wichtig, eine strategische Grundlage zu schaffen und darauf aufbauend zielgruppengerechte Reiseprodukte anzubieten.

 

Archäologie und Himmelswege: Die Himmelsscheibe von Nebra gehört zum Dokumentenerbe der UNESCO. Sie bietet aufgrund der mystischen Geschichten rund um ihre Existenz immer wieder eine gute Möglichkeit, im nationalen Markt um Gäste zu werben. In Bezug auf die Angebotsstruktur ist das Thema aber in der Wirkung begrenzt. Durch die Präsentation und Verknüpfung mit weiteren archäologischen Zeugnissen in Sachsen-Anhalt kann das Thema an Kraft für die Gästewerbung gewinnen. Von besonderer Bedeutung ist hier die Kooperation mit dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. (Potenzialthema durch die Verbreiterung des Angebotes im Archäologietourismus)

 

Wassertouristik / Blaues Band: Mit dem Blauen Band hat Sachsen-Anhalt ein eigenständiges und vielseitiges Angebotsprofil im Wassertourismus entwickelt. Schon bietet das Bootswandern an Saale- und Unstrut für die Region ein eigenständiges und gut nachgefragtes Angebot. Hingegen sind die ausgedehnten neu entstandenen und infrastrukturell gut erschlossenen Seengebiete bislang im gewerblichen Angebot zu schwach ausgeprägt. Für eine eigenständige Profilierung des Landes im Wassertourismus wird daher als nicht tragfähig angesehen. (Potenzialthema für die nationale Vermarktung bei entsprechendem Ausbau des gewerblichen Angebotes).

 

Die Wassertouristik ist auf den Seen der Region noch in den Kinderschuhen und enorm ausbaubar. Ebenso der Wassertourismus auf der Saale.

 

Naturtourismus liegt im Trend und ist ähnlich wie Kultur als Klammer für verschiedene Aktivitäten und Erlebnisse zu verstehen: Aktiv oder gesund in der Natur, Naturerlebnis oder Umweltbildung. Hier hat Sachsen-Anhalt insbesondere in den Großschutzgebieten und am Grünen Band einiges zu bieten. Insbesondere in der Kombination mit den Aktivangeboten bestehen gute Chancen Gäste für die Regionen zu interessieren.

 

Wein und Weinkultur: Die Weinregion Saale-Unstrut zählt zu den 13 Qualitätsweinanbaugebieten in Deutschland und ist zudem das nördlichste Qualitätsanbaugebiet. Die Weinregion wurde über ein Jahrtausend durch den Weinbau geprägt. Die Weinkulturlandschaft ist einzigartig und mit dem Terrassenweinbau und den Weinbergshäuschen Teil der Bewerbung der Region für das UNESCO Weltkulturerbesiegel.

Das Thema Wein spielte in der Vermarktung des Reiselandes Sachsen-Anhalt bislang keine wichtige Rolle. Auf regionaler Ebene ist der Wein hingegen ein die Landschaft und die Kultur prägendes Thema für das Angebotsprofil im Kultur- als auch im Aktivtourismus. Das Thema Wein bietet in der regionalen Ausprägung Weinkultur und Kulturlandschaft ein großes Potenzial auch für die Außenvermarktung des Landes in der Verknüpfung mit der Kultur, Aktiv und der Kulinarik. (Potenzialthema).

 

Gerade beim Wein liegt noch ganz viel Potenzial, das sehr weit gespannt werden kann. So müssten die Weine der Region größeren Einzug in die Gastronomie und den Direktverkauf finden. Straussenwirtschaften könnten besser vermarktet und publiziert werden. Auch für Übernachtungen beim Winzer besteht noch Potenzial. Interessant dürften auch Urlaubsangebote zur Weinernte sein.

 

Kulinarik: Mit dem Trend zur Regionalität wächst auch das Interesse an regionalen, kulinarischen Produkten und Angeboten. Diese sind in Sachsen-Anhalt regional durch bspw. die Regionalmarken „Typisch Harz“, das „Altmärker Kulinarium“ oder „Gastlich Saale-Unstrut“ bereits aufgefangen. Das Thema Kulinarik hat für das Kulturreiseland eine große Bedeutung, da die Kombination aus Kultur und Gastlichkeit für die Zielgruppe der Kultur- und Bildungsreisenden wichtig ist.

 

Die Kulinarik als Tourismusfaktor in unserer Region wurde bisher noch gar nicht erkannt, bzw. aufgegriffen. Hier bietet sich auch durch die regionalen Erzeuger ein vielfältiges Tätigkeitsfeld.

 

Landtourismus: Sachsen-Anhalt ist überwiegend ländlich geprägt und bietet Angebote für den Landurlaub in allen Reiseregionen. Neben der Reiseregion Altmark, die ganz überwiegend ländlich geprägt ist und als Vorrangregion für den Landtourismus gesehen wird, bieten auch die anderen Reiseregionen vermarktungsfähige Reiseangebote.

 

Eigentlich ist unsere Region als 6. Landtourismusregion von Sachsen-Anhalt ausgeschrieben. Spüren tut man davon leider kaum etwas. Unsere Redaktion versucht mit dem Geiseltaler Landtourismusmagazin ein Zeichen zu setzen und will aufzeigen was die Region schon alles zu bieten hat, was aber bisher kaum vermarktet wird.

 

Regionalität und lokale Identität - Tourismus in Sachsen-Anhalt kann nur dauerhaft erfolgreich sein, wenn der Gast in Städten und Regionen willkommen geheißen wird. Das bedeutet, der Tourismus ist davon abhängig, dass eine Gastkultur in den Städten und Dörfern gepflegt wird und dem Gast neben dem eigentlichen Besuchsziel die regionalen Besonderheiten oder Traditionen, die regionale Küche und regionale Produkte näher gebracht werden. Hierfür ist die Zusammenarbeit des Gastgewerbes mit den lokalen Produzenten wichtig, die Etablierung oder Pflege einer regionalen Küche und die Einhaltung strenger Qualitätsregeln.

 

Bestehende Ansätze und Initiativen im Bereich der regionalen Produkte (u.a. „Typisch Harz“, Regionalmarke Mittelelbe) oder auch regionaler Küche (Altmärker Kulinarium, Kulinarium Gastlich Saale-Unstrut) sollten daher in Sachsen-Anhalt weiterentwickelt und gepflegt werden.

 

Durch regionale Produkte als Attraktivitätsfaktor kann sich Sachsen-Anhalt profilieren und es können sich Absatzchancen für regionale Produzenten ergeben. Dies wiederum stärkt regionale Wertschöpfungsketten und vermindert Transportwege, was zum Ziel des nachhaltigen Wirtschaftens erheblich beiträgt.

 

Sporttourismus: Eine Integration bzw. Mitnahme des Sporttourismus bei der Bearbeitung weiterer Themen erscheint sinnvoll. Beispielsweise im Themenfeld Natur, aber auch beim Wandern und beim Radfahren ist dies sehr gut möglich.

 

Auch hier besteht in der Vermarktung in unserer Region ein hohes Defizit. Es finden zwar viele tolle Sportveranstaltungen statt, aber allgemeine Informationen dazu findet man nicht. Die Programme reichen hier allein nicht aus. Zudem benötigen wir mehr spezielle Unterkünfte die auf die Bedürfnisse von Radfahrern und Wanderern ausgerichtet sind.

 

Darüber hinaus kommt dem Geschäftsfeld des Aktiv- & Naturtourismus eine Funktion als „Bindeglied“ und Vernetzungsthema zur Unterstützung des Kulturtourismus zu. Der größte Teil der Kulturtouristen ist nicht nur an Kultur interessiert, sondern erfährt die Attraktionen gern durch verschiedene Aktivitäten. Die Kulturattraktionen in Sachsen- Anhalt können deshalb hervorragend als Radfahrer oder Wanderer erschlossen werden.

 

Was sich aber bei uns auch nicht so leicht gestaltet wie dargestellt, denn die Zuführung von Reisenden über den Öffentlichen Nahverkehr, besonders bei der Mitnahme von Fahrrädern ist nur stark eingeschränkt möglich. Zudem sind viele Radwege wegen mangelnder Pflege schon wieder in einem schlechten Zustand.

Nachhaltiger Tourismus - Ein weiteres Basisthema stellt die Nachhaltigkeit im Tourismus dar. Nicht erst mit der neuen EU-Strukturfondsperiode 2014-2020 hat der Begriff an Bedeutung gewonnen. Von beispielweise alternativen Mobilitätskonzepten, über regionale Produkte, Tourismus in Schutzgebieten bis hin zu Nachwuchsförderung, Arbeitskräftesicherung und klimafreundlichem Bauen spielen die verschiedenen Facetten des Nachhaltigen Tourismus immer stärker eine Rolle und sollten auch in Sachsen-Anhalt beachtet und weiterentwickelt werden.

 

Genau hier könnte unsere Region bei der Neuentstehung als Tourismusregion Punkten, leider findet ein nachhaltiger Tourismus bei uns bisher kaum Beachtung.

Quelle: Tourismus Sachsen-Anhalt

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